30.09.2013

Nach Toten bei Vorbereitung: WM in Katar neu überdenken!

Bild: CC BY Axel Kuhlmann

Zu den Berichten über Zwangsarbeit auf den Baustellen zur Vorbereitung der FIFA WM 2022 in Katar erklärt Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 /Die Grünen:

„Sotschi, Rio, Katar: Wie viele Skandale um Sportgroßveranstaltungen will sich die Weltgemeinschaft noch leisten, ehe klar wird, dass der Sport nicht frei von Politik ist?

 Das rücksichtslose Ignorieren arbeitsrechtlicher Standards bei der Vorbereitung der FIFA-WM 2022 muss konsequent aufgeklärt werden. Unter diesen Bedingungen ist Katar als Austragungsort unhaltbar. Offenbar wollen die Kataris mit aller Macht eine Fertigstellung der Stadien erreichen und damit Fakten schaffen. Bisher hat es Diskussionen um eine Verlegung der WM in den Winter gegeben, gleichzeitig drohte die WM Katar wieder entzogen zu werden. Mit dem Vorantreiben der Bauarbeiten erhofft sich die Regierung des Austragungslandes, zumindest hohe Schadensersatzforderungen stellen zu können, wenn denn das Turnier schon nicht im Wüstenstaat stattfinden sollte. Dabei gehen die Veranstalter buchstäblich über Leichen. Ich fordere ein Ende der Debatte durch den sofortigen Entzug der Weltmeisterschaften und die Verlegung in ein anderes Land. Neun Jahre vor dem Turnier bleibt noch genug Zeit für ein Umdenken.

Ich werde das Thema am 1. Oktober 2013 im Rahmen einer Ausschusssitzung des Europarates ansprechen, zu der Prof. Mark Pieth und Herr Domenico Scala geladen sind. Prof. Pieth hat seit November 2011 den Vorsitz der von der FIFA einberufenen Governance Commission inne und hat die Aufgabe, korrupte Strukturen innerhalb der FIFA aufzulösen. Herr Scala ist seit Mai 2012 Vorsitzender des Audit- und Compliance Committee der FIFA. Das Beispiel der dubiosen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar zeigt: es gibt keine Anzeichen der Besserung im Schmiergeldparadies FIFA. Dass die FIFA nun eine interne Kommission beauftragt hat, den Umständen der Vergabe nachzugehen, ist purer Aktionismus. Ich bezweifle eine Änderung der Einstellung zum Milliardengeschäft Fußball nach Vorlage des Abschlussberichts der ‚Ethikkommission`.

 Die jüngsten Berichte über Tote auf den Baustellen Katars übersteigen jedes bisher bekannte Maß und lassen sich nicht mit intern einberufenen Kommissionen und auch nicht im Rahmen einer FIFA-Exekutivsitzung am 3. und 4. Oktober abhandeln. Ich verlange eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Neben den strafrechtlichen Ermittlungen muss endlich ein wirklich unabhängiges Gremium geschaffen werden, das diesen Vorfall aufarbeitet und künftige verhindern soll, indem bei der Vergabe von Weltmeisterschaften auch arbeitsrechtliche Standards berücksichtigt werden und die menschen- und bürgerrechtliche Lage in den Gastgeberländern laufend geprüft wird.“

 

URL:https://violavoncramon.de/bundestag/meine-ausschuesse-und-themen/eu-ausschuss/europaeische-nachbarschaftspolitik/oestliche-partnerschaft/oepartnerschaft-single/article/nach_toten_bei_vorbereitung_wm_in_katar_neu_ueberdenken/